Wiederkaufsrate: Rechner und 8 Maßnahmen

Türkise Kreispfeile neben dem Text 'Wiederkäufer sind mehr wert als Einmalkäufer'.
Autor: Harald Neuner // 13min
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Das Wichtigste in 25 Sekunden

Zusammenfassung

Die wenigsten Käufer bestellen ein zweites Mal: Laut uptain E-Report sind es nur 14,77 Prozent. Wer die Wiederkaufsrate erhöhen will, sollte Kaufprobleme lösen, Nachbestellungen passend auslösen und inaktive Bestandskunden gezielt reaktivieren. Acht konkrete Maßnahmen zeigen, worauf es bei Umsetzung und Messung ankommt.1

  • Richtig zählen: Messen Sie eindeutige Wiederkäufer statt Bestellungen.
  • Fair vergleichen: Nutzen Sie Kohorten und passende Kaufzyklen.
  • Gezielt handeln: Beheben Sie Serviceprobleme und kommunizieren Sie zum nächsten Bedarf.
  • Profit prüfen: Vergleichen Sie zusätzliche Käufe mit Rabatt und Kontaktkosten.

Die Wiederkaufsrate zu erhöhen ist für Online-Shops eine konkrete Wachstumsaufgabe. Laut uptain E-Report bestellen 85,23 Prozent der Käufer nur ein einziges Mal.1

Andere Auswertungen kommen auf eine ähnliche Größenordnung. Die US-Agentur BS&Co ermittelte in den anonymisierten Daten von mehr als 156.000 Kunden ihrer Direct-to-Consumer-Marken 18,8 Prozent Wiederkäufer innerhalb von 365 Tagen.2 Ein Gutschein allein behebt das nicht. Entscheidend sind ein überzeugender erster Kauf, ein relevanter Anlass für die Rückkehr und eine Messung, die unterschiedliche Kaufzyklen berücksichtigt.

Was misst die Wiederkaufsrate?

Die Wiederkaufsrate zeigt, welcher Anteil der Käufer innerhalb eines festgelegten Zeitraums erneut bestellt. Sie misst Personen, nicht Bestellungen. Wer drei weitere Bestellungen tätigt, zählt im Zähler einmal. Diese Unterscheidung verhindert, dass einzelne besonders aktive Kunden den Wert verzerren. Manche Auswertungen sprechen auch von Wiederkaufrate oder Wiederkäuferquote und meinen dieselbe Kennzahl.

Die Kennzahl beantwortet eine andere Frage als die Kundenbindungsrate. Letztere betrachtet, welcher Anteil eines bestehenden Kundenbestands erhalten bleibt. Für die Wiederkaufsrate brauchen Sie eine klare Definition von Erstkauf und erneutem Kauf, eine verlässliche Kundenkennung und ein einheitliches Beobachtungsfenster.

Wie berechnen Sie die Wiederkaufsrate?

Die Wiederkaufsrate ergibt sich aus der Zahl der Käufer mit mindestens einem weiteren Kauf geteilt durch die Zahl aller betrachteten Käufer, multipliziert mit 100. Zählen Sie eindeutige Kunden und entfernen Sie stornierte oder vollständig erstattete Bestellungen nach einer einheitlichen Regel.

Formel: Wiederkaufsrate = Wiederkäufer ÷ betrachtete Käufer × 100.

Formel unter der Überschrift 'Wiederkaufsrate berechnen': 'Wiederkaufsrate in %' = 'Anzahl Wiederkäufer' geteilt durch 'Anzahl betrachteter Käufer' x 100.

Haben in einem Jahr 1.000 Kunden bestellt und 300 davon mindestens ein weiteres Mal, beträgt die Wiederkaufsrate 30 Prozent. Legen Sie vor der Berechnung fest, ob der Erstkauf im selben Jahr stattfinden muss oder ob auch ältere Bestandskunden in die Grundgesamtheit fallen.

Für einen sauberen Vergleich eignen sich Erstkaufkohorten. So beobachten Sie etwa alle Neukunden aus dem Januar für 90 Tage und vergleichen sie mit den Neukunden aus dem Februar über dieselbe Dauer. Eine bloße Monatsquote kann durch unterschiedlich alte Kundenbestände täuschen.

Berechnen Sie Ihre Wiederkaufsrate

Geben Sie die Anzahl Ihrer Wiederkäufer und die Gesamtzahl der betrachteten Käufer in den Rechner ein. Verwenden Sie für beide Werte denselben Zeitraum und dieselbe Kundengruppe.

Wann ist eine Wiederkaufsrate gut?

Eine gute Wiederkaufsrate ist ein Wert, der zum Kaufzyklus passt und sich bei vergleichbaren Kundengruppen wirtschaftlich verbessert. Ein pauschaler Zielwert für alle Shops ist dafür zu grob. Entscheidend sind Produktart, Zeitpunkt des Erstkaufs und die Marge aus weiteren Bestellungen. Als erste Orientierung für Ihre Branche eignet sich der Branchen-KPI-Benchmark von uptain, der Kennzahlen für über 60 Branchen dem Gesamtmarkt gegenüberstellt.

Kaufzyklus und Sortiment berücksichtigen

Bei Tiernahrung kann ein erneuter Kauf nach wenigen Wochen plausibel sein. Bei Möbeln liegt der nächste Bedarf oft viel später. Wählen Sie deshalb ein Beobachtungsfenster, das den üblichen Bedarf abbildet, und vergleichen Sie Kategorien getrennt. Eine Erinnerung vor dem erwarteten Verbrauchszeitpunkt ist sinnvoller als eine Nachricht unmittelbar nach der Lieferung.

Kohorten statt Gesamtwert vergleichen

Teilen Sie Käufer nach Erstkaufmonat, Produktgruppe oder Akquisekanal auf. So erkennen Sie, ob eine Verbesserung tatsächlich aus Ihrer Maßnahme stammt oder nur aus einem veränderten Kundenmix. Die Kundensegmentierung schafft dafür eine brauchbare Grundlage. Berichten Sie neben der Quote auch die Zahl der Kunden pro Gruppe, damit kleine Segmente nicht überinterpretiert werden.

Was zeigen die uptain Daten über Wiederkäufer?

Die uptain Daten zeigen vor allem zwei Aufgaben. Online-Shops müssen mehr Erstkäufer zum zweiten Kauf führen und anschließend verhindern, dass die Beziehung dort endet. Der Report basiert laut Methodik auf anonymisierten Nutzungsdaten aus mehr als 3.000 Online-Shops und über 30 Millionen Nutzern.1 Es handelt sich um beobachtetes Verhalten, nicht um eine Befragung zu Kaufabsichten.

Der zweite Kauf ist die größte Hürde

Laut E-Report bestellen nur 14,77 Prozent aller Käufer mindestens ein weiteres Mal. Unter den Wiederkäufern tätigen nur 30,16 Prozent mehr als zwei Bestellungen. Mehr als drei Käufe erreichen 12,37 Prozent dieser Gruppe.1 Die Prozentwerte haben unterschiedliche Nenner. 30,16 und 12,37 Prozent beziehen sich auf Wiederkäufer, nicht auf sämtliche Käufer. Die Zahlen zeigen, warum der Übergang vom ersten zum zweiten Kauf und danach zur dauerhaften Beziehung getrennt gemessen werden sollte.

Prüfen Sie für Ihre eigene Kundengruppe zuerst, an welcher Stelle Käufer aussteigen. Dafür genügt keine einzelne Gesamtquote. Teilen Sie die Käufer nach Erstkaufmonat, Produktkategorie und Akquisekanal auf. Vergleichen Sie nur Gruppen mit gleich langer Beobachtungszeit. So sehen Sie beispielsweise, ob Erstkäufer aus einer Kategorie nach 30, 60 oder 90 Tagen erneut bestellen.

Studiengrafik mit Statistik zu Kunden, die für einen weiteren Kauf zurückkehren

Warenkorbwert und Kaufabstand richtig lesen

Der mittlere Warenkorbwert (Median) liegt laut E-Report bei wiederkehrenden Käufern bei 80,41 Euro, bei Einmalkäufern bei 59,90 Euro.1 Das ist ein beobachteter Unterschied, kein Beleg dafür, dass eine Bindungsmaßnahme den Warenkorbwert verursacht. Produktmix und Kundenauswahl können den Vergleich beeinflussen. Die Daten zeigen außerdem, dass der Warenkorbwert über spätere Kaufnummern sinkt. Prüfen Sie deshalb, ob ergänzende Produkte tatsächlich den Deckungsbeitrag erhöhen, statt nur den Umsatz pro Bestellung zu betrachten.

Studiengrafik zum Vergleich durchschnittlicher Warenkorbwerte von Wiederkäufern

Die Grafik zum Kaufabstand weist für den zweiten Kauf einen Median von 14 Tagen und 20 Stunden aus. Bei späteren Käufen werden die Abstände in der untersuchten Gruppe kürzer.1 Das ist keine allgemeine Versandfrist für Erinnerungen. Lebensmittel und Verbrauchsartikel haben andere Zyklen als Möbel. Nutzen Sie den Wert als Anlass, den eigenen Abstand zwischen Erstkauf und Wiederkauf je Kategorie zu ermitteln.

Studiengrafik mit Diagramm zum Verhalten wiederkehrender Kunden

Welche Maßnahmen fördern den Wiederkauf?

Die passende Maßnahme hängt davon ab, wo die Kundenbeziehung stockt. Ein Kunde mit Lieferproblem braucht Hilfe, ein Käufer von Verbrauchsartikeln eine passende Nachbestellung und ein früherer Stammkunde nach langer Inaktivität einen Anlass zur Rückkehr. Die folgenden acht Maßnahmen ordnen jeweils den Auslöser, eine konkrete Umsetzung und die Erfolgskontrolle ein.

1. Das erste Einkaufserlebnis verlässlich machen

Ein enttäuschender Erstkauf lässt sich selten mit einer späteren Rabattmail ausgleichen. Prüfen Sie Lieferzeitversprechen, tatsächliche Zustellung, Produktqualität, Zahlungsarten und Rückgaben nach Erstkaufkohorte. In einer Befragung von Mollie unter 10.000 Verbrauchern in fünf europäischen Ländern nannten 89 Prozent kostenlosen Versand und 86 Prozent die Auswahl der Zahlungsmethoden als wichtige Faktoren für einen erneuten Kauf.3 Das sind genannte Präferenzen, keine gemessenen Effekte.

Beispiel: Besteller einer Gesichtscreme melden wiederholt beschädigte Verpackungen. Beheben Sie zuerst die Verpackung und informieren Sie betroffene Kunden proaktiv über Ersatz oder Erstattung. Erst danach ist eine erneute Kaufansprache sinnvoll. Bündeln Sie Beschwerden, Kundenbewertungen und Retourengründe nach Produktgruppe und prüfen Sie, ob die Wiederkaufsrate der betroffenen Kohorte nach der Korrektur steigt.

Ein wiederkehrender Kunde sollte außerdem ohne erneute Suche nach Versandkosten, Rückgaberegeln und Zahlungsarten bestellen können. Prüfen Sie den mobilen Checkout mit einem echten Nachkaufpfad vom früher gekauften Produkt bis zur Zahlung.

2. Nach dem Erstkauf Nutzen liefern und Probleme abfangen

Die Kommunikation unmittelbar nach dem Kauf sollte zuerst die Nutzung erleichtern. Eine kurze Anleitung, Pflegehinweise oder eine Antwort auf die häufigste Supportfrage kann sinnvoller sein als ein sofortiger Gutschein. Erfassen Sie, welche Fragen in den ersten Tagen nach der Lieferung tatsächlich auftreten, und bauen Sie genau dafür eine Hilfestrecke.

Beispiel: Wer eine Kaffeemaschine kauft, erhält nach Zustellung einen Hinweis zur ersten Reinigung und später eine verständliche Anleitung zum Entkalken. Der Link zu passenden Filtern erscheint erst, wenn er zum Gerät passt. Eine Nachricht an Kunden mit offener Reklamation wird bis zur Lösung unterdrückt. Messen Sie neben dem zweiten Kauf auch Supportkontakte und Retouren.

3. Nachbestellungen am eigenen Verbrauchszyklus ausrichten

Bei Verbrauchsprodukten können Sie den Abstand zwischen zwei Käufen je Kategorie und Packungsgröße aus den eigenen Bestelldaten schätzen. Legen Sie die Erinnerung kurz vor den typischen Nachkaufzeitpunkt und stoppen Sie sie, sobald eine neue Bestellung eingeht. Maßgeblich ist Ihr eigener Zyklus, nicht der Durchschnittswert aus einer Studie.

Beispiel: Ein Shop für Tiernahrung untersucht, wann Käufer eines bestimmten Futters erneut bestellen. Eine Erinnerung zeigt genau dieses Produkt und einen direkten Weg zur Nachbestellung. Käufer eines Beutels mit 2 Kilogramm erhalten sie zu einem anderen Zeitpunkt als Käufer eines Beutels mit 10 Kilogramm. Testen Sie zwei Zeitfenster gegen eine Gruppe ohne Erinnerung und vergleichen Sie Wiederkäufe, Abmeldungen und Deckungsbeitrag.

4. Inaktive Bestandskunden mit Comeback-Mails reaktivieren

Comeback-Mails von uptain richten sich an Bestandskunden, die länger nicht im Shop waren. Die Lösung bietet konfigurierbare Versandregeln und Vorlagen sowie Textvarianten mit Servicebezug oder Gutscheinvarianten. Sie setzt damit an einer anderen Situation an als eine Mail nach einem gerade verlassenen Warenkorb. Bestimmen Sie Inaktivität relativ zum üblichen Kaufzyklus der jeweiligen Kategorie und schließen Sie Kunden mit offenen Problemen oder einer jüngsten Bestellung aus.

Beispiel: Eine frühere Käuferin von Hautpflege war seit ihrem letzten Kauf deutlich länger inaktiv als vergleichbare Käuferinnen. Eine erste Comeback-Mail verweist auf eine passende Pflegeroutine oder neue Artikel der gekauften Kategorie. Eine zweite Variante bietet nur der preisempfindlichen Teilgruppe einen begrenzten Anreiz.

Gerade die Auswahl der Empfänger ist entscheidend. Zwei Feldexperimente von Ascarza zeigen in einem anderen Kundenbindungskontext, dass Kunden mit dem höchsten Abwanderungsrisiko nicht automatisch am stärksten auf eine Rückgewinnungsmaßnahme reagieren.4 Ein Handelsversuch mit 122.394 Kunden zeigte außerdem, dass die Wirkung von E-Mail und Briefwerbung nach Kundensegment variierte und E-Mail allein im randomisierten Teil des Versuchs keinen signifikanten Effekt hatte.5 Beide Arbeiten sprechen dafür, Segmente getrennt zu testen, statt alle Inaktiven gleich anzusprechen.

Comeback-Mails für Ihren Shop prüfen: Definieren Sie ein inaktives Segment, testen Sie Serviceansprache gegen einen gezielten Anreiz und messen Sie zusätzliche Bestellungen gegenüber einer Kontrollgruppe. Mehr zu den Comeback-Mails von uptain.

Beispiel-Comeback-Mail mit Erinnerung zu neuen Produkten. Daneben ein Zielgruppenavatar mit Preis-Sensibilität

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5. Erneutes Produktinteresse ohne Warenkorb aufgreifen

Ein Bestandskunde besucht den Shop erneut und sieht sich ein Produkt an, legt es aber nicht in den Warenkorb. Dafür bietet uptain Browse-Abandonment-Mails. Sie greifen ein konkretes Produktinteresse auf. Das unterscheidet sie von Comeback-Mails bei längerer Inaktivität. Eine Nachricht ist nur sinnvoll, wenn das Produkt weiterhin verfügbar ist und der Kontakt rechtlich zulässig ist.

Beispiel: Ein Käufer einer Kamera betrachtet ein kompatibles Objektiv und verlässt die Produktseite. Die Nachricht nennt das angesehene Objektiv, die Kompatibilität und den direkten Link zur Produktseite. Sie bietet zuerst Information statt eines pauschalen Rabatts. Unterdrücken Sie die Mail, wenn der Kunde das Objektiv inzwischen gekauft hat, und messen Sie den zusätzlichen Kauf gegenüber einer Gruppe ohne Mail.

 

6. Einen begonnenen Wiederkauf nach Abbruch fortsetzen

Hat ein Bestandskunde bereits Produkte in den Warenkorb gelegt und den Kauf abgebrochen, ist der Anlass konkreter. uptain bietet dafür Abbrecher-Mails. Die Nachricht sollte den Warenkorb erreichbar machen und ein mögliches Hindernis auflösen, etwa unklare Lieferzeit oder eine fehlende Zahlungsart. Ein allgemeines Comeback-Motiv passt hier weniger gut als die Bezugnahme auf den begonnenen Kauf.

Beispiel: Ein Kunde möchte sein gewohntes Pflegeprodukt erneut kaufen, bricht jedoch bei der Versandübersicht ab. Statt sofort einen Gutschein zu senden, führt eine kurze Mail zum gespeicherten Warenkorb und erklärt Liefertermin sowie Versandkosten. Prüfen Sie, ob mehr abgeschlossene Zweitkäufe entstehen und ob die Marge nach Kontaktkosten steigt. Beachten Sie die rechtlichen Voraussetzungen für werbliche Nachrichten.

7. Treue mit erreichbaren Vorteilen belohnen

Ein Treuevorteil muss zum Kaufverhalten und zur Marge passen. Denkbar sind früher Zugang zu passenden Produkten, Beratung, Service oder ein begrenzter Preisvorteil. In der Mollie-Befragung bezeichneten 71 Prozent der Verbraucher ein Treueprogramm als wichtigen Faktor für ihre Kaufentscheidung.3

Beispiel: Statt allen Bestandskunden zehn Prozent Rabatt zu geben, erhält eine geeignete Teilgruppe nach zwei Käufen Zugang zu kostenlosem Zubehörversand. Die Schwelle muss erreichbar sein. In einem Feldexperiment mit 95.532 Mitgliedern eines Hotelprogramms stiegen Käufe nach erreichten Prämienzielen, während verfehlte Ziele mit geringeren späteren Käufen verbunden waren.6 Das Hotelumfeld ist nicht unmittelbar auf Online-Shops übertragbar, zeigt aber, warum unrealistische Stufen problematisch sein können.

Bei Gutscheinen zählt der zusätzliche Deckungsbeitrag, nicht die Einlösequote. Eine weitere Studie zu Prämienaktionen weist darauf hin, dass manche Einlöser auch ohne Angebot gekauft hätten.7 Testen Sie deshalb Vorteil, Zielgruppe und Kontrollgruppe zusammen.

8. Relevanz und Kontaktdruck laufend prüfen

Eine höhere Versandfrequenz ist keine eigene Strategie. Legen Sie eine Priorität zwischen Servicehinweis, Nachbestellerinnerung, Browse-Nachricht, Abbrecher-Mail und Comeback-Mail fest, damit ein Kunde nicht mehrere Botschaften zum selben Bedarf erhält. Prüfen Sie für jede Strecke Abmeldungen, Beschwerden, Retouren und Wiederkäufe nach Kundengruppe.

Beispiel: Ein Bestandskunde erhält zuerst eine Serviceantwort zur Reklamation. Solange sie offen ist, pausieren werbliche Mails. Nach der Lösung kann eine passende Nachbestellung wieder relevant werden. Bei der Betreffzeile lohnt ein Test ebenfalls. Eine Studie fand einen Vorteil durch den Vornamen in der Betreffzeile, eine spätere Replikation fand dafür keinen positiven Effekt auf Öffnungen oder Klicks.8,9 Prüfen Sie daher den Nutzen der gesamten Nachricht, statt sich auf ein Personalisierungsmerkmal zu verlassen.

Wie messen Sie den Erfolg der Maßnahmen?

Der Erfolg einer Maßnahme zeigt sich in einer höheren Wiederkaufsrate bei vergleichbaren Kunden und Beobachtungszeiträumen. Eine steigende Quote allein beweist noch keinen zusätzlichen Gewinn. Prüfen Sie deshalb sowohl die Wiederkäufe als auch Kosten und Nebenwirkungen.

Rechenbeispiel: Wenn in einer Kohorte von 1.000 Erstkäufern 150 Personen erneut bestellen, liegt die beobachtete Quote bei 15 Prozent. Steigt sie bei vergleichbarer Beobachtungsdauer auf 17 Prozent, entspricht das rechnerisch 20 zusätzlichen Wiederkäufern. Erst ein sauberer Vergleich mit einer Kontrollgruppe zeigt, welcher Teil davon auf Ihre Maßnahme zurückgeht.

Segmente und Kontrollgruppen nutzen

Definieren Sie vor dem Test Zielgruppe, Auslöser und Zeitfenster. Teilen Sie geeignete Käufer möglichst zufällig in eine angesprochene Gruppe und eine Kontrollgruppe ein. Vergleichen Sie die Quote nach derselben Zahl von Tagen seit dem Erstkauf. Halten Sie andere größere Aktionen fest, damit Sie einen saisonalen Effekt nicht der Nachricht zuschreiben.

Zusätzliche Kennzahlen prüfen

Beobachten Sie neben der Wiederkaufsrate den durchschnittlichen Bestellwert, den Deckungsbeitrag je Kunde, Retouren und Abmeldungen. Eine Kampagne kann mehr Bestellungen erzeugen und dennoch unwirtschaftlich sein, wenn Rabatt und Versandkosten zu hoch sind. Ein einfaches Newsletter-Konzept sollte daher Kontaktfrequenz und Abmelderate mit auswerten.

Häufige Fragen zur Wiederkaufsrate

Wie kann ich die Wiederkaufsrate erhöhen?

Beheben Sie zuerst Probleme beim ersten Kauf, etwa bei Lieferung, Verpackung oder Zahlungsarten. Sprechen Sie Kunden danach zum passenden Zeitpunkt an, etwa mit Hilfe zur Nutzung, einer Erinnerung vor dem erwarteten Nachkauf oder einer Reaktivierung nach längerer Inaktivität. Messen Sie jede Maßnahme gegen eine Kontrollgruppe.

Was ist eine gute Wiederkaufsrate?

Das hängt vom Kaufzyklus Ihres Sortiments ab. Verbrauchsartikel erreichen andere Werte als Möbel oder Technik. Laut uptain E-Report bestellen nur 14,77 Prozent der Käufer ein weiteres Mal. Aussagekräftiger ist der Vergleich eigener Erstkaufkohorten mit gleich langer Beobachtungszeit.

Was unterscheidet Wiederkaufsrate und Kundenbindungsrate?

Die Wiederkaufsrate misst, welcher Anteil der Käufer in einem Zeitraum erneut bestellt. Die Kundenbindungsrate misst, welcher Anteil eines bestehenden Kundenbestands über einen Zeitraum erhalten bleibt. Beide ergänzen sich, beantworten aber unterschiedliche Fragen.

Fazit

Erhöhen Sie die Wiederkaufsrate, indem Sie Reibung beim ersten Kauf beseitigen und Kunden später mit passenden Angeboten oder hilfreichen Informationen ansprechen. Vergleichen Sie gleich alte Kundengruppen und prüfen Sie neben der Quote auch den Deckungsbeitrag. So erkennen Sie, welche Maßnahme tatsächlich zusätzliche, profitable Käufe bringt.

Ein junger Mann mit Brille und kurzem, dunklem Haar blickt ruhig in die Kamera; er trägt ein dunkles Hemd über einem schwarzen T-Shirt vor neutralem, transparentem Hintergrund.

Artikelautor

Online Marketing + Content

Harald Neuner

Artikelautor

Online Marketing + Content

Harald Neuner ist Co-Founder von “uptain”, der führenden Software-Lösung für die Rückgewinnung von Warenkorbabbrechern im DACH-Raum. Ein besonderes Anliegen ist es ihm, kleinen und mittleren Online-Shops Technologien zur Verfügung zu stellen, über die bisher vorwiegend die Großen im E-Commerce verfügten. Mit “uptain” ist ihm genau das möglich geworden.

Quellenverzeichnis

1 uptain: Wiederkehrende Käufer, E-Report (2025), Report und Methodik (letzter Zugriff: 25.09.2026)

2 BS&Co: Repeat Purchase Rate Benchmarks (2026), Auswertung und Methodik (letzter Zugriff: 29.09.2026)

3 Mollie: So erhöhen Sie Wiederholungskäufe im E-Commerce (2024), Mollie Bericht (letzter Zugriff: 25.09.2026)

4 Ascarza: Retention Futility, Journal of Marketing Research (2018), Originalstudie (letzter Zugriff: 25.09.2026)

5 Valenti und Kollegen: Direct mail to prospects and email to current customers?, Journal of the Academy of Marketing Science (2024), Originalstudie (letzter Zugriff: 25.09.2026)

6 Wang und Kollegen: Enduring Effects of Goal Achievement and Failure Within Customer Loyalty Programs, Marketing Science (2016), Originalstudie (letzter Zugriff: 25.09.2026)

7 Daljord und Kollegen: The Design and Targeting of Compliance Promotions, Marketing Science (2023), Originalstudie (letzter Zugriff: 25.09.2026)

8 Sahni und Kollegen: Personalization in Email Marketing, Marketing Science (2018), Originalstudie (letzter Zugriff: 25.09.2026)

9 Defau und Zauner: Personalized subject lines in email marketing, Marketing Letters (2023), Replikationsstudie (letzter Zugriff: 25.09.2026)