EU-Verpackungsverordnung 2026 – Pflichten & Maßnahmen
Ab dem 12. August 2026 tritt die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in Kraft. Für Online-Händler ist sie eine der bedeutendsten regulatorischen Änderungen der letzten Jahre: Sie definiert neu, wie Versandverpackungen gestaltet, registriert, gekennzeichnet und entsorgt werden müssen. Gleichzeitig eröffnet sie Chancen, Kosten zu reduzieren und Prozesse effizienter zu gestalten.
Dieser Beitrag bietet einen praxisnahen Überblick, erklärt alle relevanten Änderungen und zeigt, wie sich Shops optimal vorbereiten können. Er fasst dabei verschiedene Quellen zusammen, um Online-Händlern eine klare und verlässliche Orientierung zu geben.
Das Wichtigste in 17 Sekunden
Zusammenfassung
Die Verpackungsverordnung 2026 erfordert klare Vorbereitung. Online-Händler sollten jetzt aktiv werden, um Risiken zu vermeiden und Vorteile zu sichern.
- Gültig ab 12. August 2026 in der gesamten EU
- Pflichten: Registrierung, Kennzeichnung, Dokumentation
- Leerraumgrenze: Max. 50 % ab 2030 – Prozesse frühzeitig anpassen
- Mehrwegpflicht: Ab 2030 verpflichtend im Checkout
- Kosten: Höherer Aufwand, aber Einsparpotenzial bei Material & Versand
- International: Registrierung + Bevollmächtigte in jedem EU-Zielland notwendig
Hintergrund: Warum die Verpackungsverordnung 2026 kommt
Die PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) ist Teil des europäischen Green Deals und ersetzt die bisherige Verpackungsrichtlinie. Durch die neue Verordnung gelten die Regeln direkt und einheitlich in allen EU-Mitgliedstaaten.1
Welche Gründe stehen hinter der Verpackungsverordnung?
- Unterschiedliche nationale Regeln vereinheitlichen und Bürokratie für Unternehmen verringern
- Mengen an Verpackungsabfall in der EU deutlich reduzieren
- Recyclingfähigkeit von Verpackungen verbessern und höhere Recyclingquoten erreichen
- Mehr Transparenz und bessere Kontrolle der Vorgaben in allen Mitgliedstaaten schaffen
- Klima und Ressourcen im Rahmen des europäischen Green Deals wirksam schützen
Was bedeutet das für Deutschland?
Das Gesetz „VerpackG“ regelt heute viele Dinge selbst. Mit der neuen EU Verordnung darf Deutschland vieles nicht mehr national vorgeben. Darum entsteht ein eigenes Durchführungsgesetz (VerpackDG), das nur noch die Umsetzung der EU Vorgaben organisiert.
Was sind zentrale Ziele der PPWR?
Die zentralen Ziele der PPWR sind:
- weniger Verpackungsmüll
- höhere Recyclingfähigkeit
- Förderung von Mehrweg
- einheitliche Kennzeichnung in der EU
- klare Verantwortlichkeiten (EPR; Extended Producer Responsibility)
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2. Wer ist von der Verpackungsverordnung betroffen?
Die PPWR betrifft alle, die Verpackungen herstellen, befüllen oder in Verkehr bringen. Für E Commerce Unternehmen besonders relevant:
2.1 Online-Shops & D2C Marken
Shops gelten oft gleichzeitig als Hersteller (Produktverpackungen) und Vertreiber (Versandverpackungen).2, 3 Damit fallen sie unter mehrere Pflichten: Registrierung, Kennzeichnung, Dokumentation, Designanforderungen.
2.2 Marktplatz-Verkäufer
Marktplätze wie Amazon oder eBay müssen sicherstellen, dass Händler registriert sind – andernfalls drohen Sperrungen.4
2.3 Fulfillment-Dienstleister
3PL-Dienstleister (Third Party Logistics; externe Logistik- und Versanddienstleister) dürfen nur Versand übernehmen, wenn Händler registriert und konform sind.5
2.4 Händler außerhalb der EU
Sie müssen ab 2026 einen Bevollmächtigten in jedem EU-Zielland benennen.6
3. Die wichtigsten Änderungen ab 2026
3.1 Registrierung & Lizenzierung
Inland: Entlastung bei Versandverpackungen
Nutzen für Händler:
- Verpackungen aus inländischer Produktion
- die ausschließlich national versendet werden
…entfällt ab 2026 die Lizenzierungspflicht für diese Versandverpackungen.7
Grenzüberschreitender Versand: Pflicht zu Bevollmächtigten
Wer ins EU-Ausland liefert, muss:
- sich in jedem Land registrieren
- dort Gebühren abführen
- einen Bevollmächtigten pro Land bestellen, wenn dort kein eigener Sitz besteht.8, 9
Dieser Punkt ist einer der administrativ anspruchsvollsten Aspekte der neuen Verordnung.
3.2 Leerraumregel für Versandverpackungen
Die PPWR verpflichtet Unternehmen zur konsequenten Minimierung von Verpackungsvolumen. Eine verbindliche Prozentgrenze gilt jedoch erst ab 2030: Ab diesem Zeitpunkt dürfen Versand, Sammel und Transportverpackungen maximal 50 Prozent Leerraum enthalten. Die ursprünglich diskutierte 40 Prozent Grenze wurde im finalen Gesetz nicht übernommen.
- Standardkartons für alle Produkte nutzen
- viel Füllmaterial einsetzen
- unpassende Paketgrößen verwenden
Die Regel zwingt Händler zu neuen Verpackunygsprozessen und präziseren Kartonmaßen. Die EU Kommission wird bis spätestens 2028 eine verbindliche Berechnungsmethode für den Leerraum festlegen. Händler sollten ihre Verpackungsprozesse daher frühzeitig anpassen und nicht erst auf die finale Prozentvorgabe warten.
3.3 Neue Kennzeichnungspflichten
Die PPWR führt ein EU weit einheitliches Kennzeichnungssystem ein, wobei nationale Sonderkennzeichnungen entfallen.
Ab 2026 werden verbindliche Materialkennzeichnungen eingeführt. Verpackungen müssen klar ausweisen, aus welchem Material sie bestehen, inklusive standardisierter Abkürzungen und EU Piktogramme.
Ab 2027 kommt eine digitale Kennzeichnungspflicht hinzu. Über einen QR-Code oder vergleichbaren Datenträger müssen Verbraucher Informationen zur Entsorgung, Materialzusammensetzung und gegebenenfalls zu Mehrweg- oder Pfandsystemen abrufen können.
Shops müssen sicherstellen:
- Verpackungslieferanten liefern konforme Designs oder
- eigene Verpackungen werden entsprechend angepasst.
3.4 Konformitätserklärung und Dokumentation
Jede Verpackung muss künftig eine EU-Konformitätserklärung besitzen.10
Die Verantwortung für die Erstellung liegt beim Hersteller oder Erstinverkehrbringer der Verpackung. Online Händler bleiben jedoch in der Pflicht, diese Nachweise einzuholen, zu archivieren und bei Kontrollen durch Behörden oder Marktplätze vorlegen zu können.
Die EU-Konformitätserklärung bestätigt:
- Recyclingfähigkeit
- Materialzusammensetzung
- Schadstofffreiheit
- Rezyklatanteile
3.5 PFAS-Verbot & Materialgrenzen
Ab dem 12.08.2026 gilt, was besonders für Food-Shops, Lieferservices und Kosmetikversender relevant ist:
- PFAS in Lebensmittelverpackungen nahezu verboten
- maximale Gesamtfluorgehalte definiert
- Schwermetalle weiter streng reguliert
Das PFAS Verbot umfasst sowohl einzelne Stoffe als auch Gesamtfluorverbindungen.
Zulässig sind dann nur noch geringste Spuren unterhalb definierter Grenzwerte. Für Händler bedeutet das, dass entsprechende Labor-Nachweise Bestandteil der Konformitätsdokumentation werden.
3.6 Mehrwegpflicht im Versandhandel (ab 2030)
Online-Shops müssen ihren Kunden eine Mehrweg-Versandoption anbieten:
- sichtbar im Checkout
- gleichwertig zu Einweg angezeigt
- mit Rückführungsprozess (Pfand, Rücksendeetikett, o. Ä.)
Zusätzlich definiert die PPWR verbindliche Mehrwegquoten für Versandverpackungen. Ab 2030 müssen mindestens 40 Prozent aller Versandverpackungen im E-Commerce als wiederverwendbare Verpackungen ausgeführt werden.
Die Mehrwegoption darf nicht versteckt oder wirtschaftlich benachteiligt sein. Sie muss im Checkout gleichwertig neben Einwegverpackungen angeboten werden, damit Kunden sie tatsächlich nutzen und die Quote erreichbar ist.
4. Auswirkungen auf Online-Händler
4.1 Operative Prozesse verändern sich
Die PPWR wirkt sich direkt auf:
- Verpackungsgrößen
- Füllmaterial
- Logistikworkflow
- Lieferantenkommunikation
- IT-Systeme
- Checkout-Optionen
- internationale Versandstrategie
Viele Händler werden neue Verpackungsgrößen einführen müssen und weniger Luft verschicken dürfen.
4.2 Wirtschaftliche Auswirkungen
Kosten steigen durch:
- Verpackungsumstellungen
- Mehrweg-Systeme
- höhere Lizenzgebühren im Ausland
- Dokumentationspflichten
Kosten sinken durch:
- weniger Volumengewicht; geringerer Versandpreis
- weniger Materialeinsatz
- eco-modulated fees (Rabatte auf gut recycelbare Materialien)
- weniger Abfallgebühren
Die PPWR wirkt wie ein wirtschaftlicher Hebel: Je nachhaltiger die Verpackung, desto günstiger wird sie langfristig.
5. Was sollten Online-Shops jetzt konkret tun?
5.1 Verpackungsinventur durchführen
Shops sollten analysieren:
- aktuelle Kartongrößen
- Füllmaterial
- Verhältnis von Produkt- zu Verpackungsvolumen (50-%-Regel)
Digitale Packprozesse oder automatisierte Kartonzuschneider können sinnvoll werden.
5.2 Verpackungslieferanten auditieren
Zentrale Fragen:
- Sind die Verpackungen PPWR-konform?
- Recyclingfähig (A–C)?
- PFAS-frei?
- Rezyklatanteile nachweisbar?
- Konformitätsdokumente vorhanden?
Lieferanten müssen spätestens 2026 neue EU-Kennzeichnungen integrieren.
5.3 Dokumentation & Compliance organisieren
Shops sollten in 2026:
- interne Verantwortlichkeiten definieren
- Konformitätsnachweise archivieren
- Registrierungspflichten prüfen
- Prozessdokumente für Kontrollen aufsetzen
Die EU Verordnung sieht erhöhte Prüfungen durch Behörden und Marktplätze vor.
5.4 IT Systeme anpassen
Notwendig werden:
- Checkout Optionen für Mehrweg
- automatische Vorschläge für passende Kartongrößen
- digitale Kennzeichnung (QR Codes)
- Dokumentationsmanagement
5.5 Internationale Versandstrategie überdenken
Shops sollten prüfen:
- In welche Länder lohnt sich Versand trotz Bevollmächtigtenpflicht?
- Welche Länder generieren zu wenig Umsatz?
- Welche Dienstleister bieten Multi Country EPR Services?
Fazit
Die Verpackungsverordnung 2026 bringt für Online Händler vor allem zusätzlichen Aufwand, höhere Komplexität und neue Kostenrisiken mit sich.
Einsparungen bei Versandkosten und Material sind möglich, setzen aber voraus, dass Prozesse und Verpackungskonzepte aktiv überarbeitet werden.
Eine bessere Kundenerfahrung und höhere Conversion sind kein Automatismus, sondern nur dann realistisch, wenn Nachhaltigkeit sinnvoll umgesetzt und nicht als reine Pflichterfüllung wahrgenommen wird. Gleichzeitig kann die Verordnung zwar zur Stärkung der Nachhaltigkeitspositionierung beitragen, sie erhöht jedoch kurzfristig den organisatorischen Druck und verschiebt mögliche Vorteile wie geringere Lizenzkosten klar in die Zukunft.
Häufige Fragen zur Verpackungsverordnung
Ab wann gilt die Verpackungsverordnung 2026?
Ab dem 12. August 2026 gelten die neuen EU Regeln verbindlich in allen Mitgliedstaaten.
Bin ich als Online Händler betroffen?
Ja. Die Verordnung betrifft alle Online Shops, unabhängig von Größe oder Versandvolumen.
Was ändert sich für Händler am stärksten?
Verpackung wird zum operativen Thema. Neue Pflichten betreffen Verpackungsdesign, Leerraum, Kennzeichnung, Dokumentation und den internationalen Versand.
Muss ich meine Versandverpackungen weiter lizenzieren?
Nur dann, wenn du Verpackungen importierst oder ins EU Ausland versendest. Rein nationaler Versand mit inländischen Verpackungen kann entlastet werden.
Was bedeutet die 50 Prozent Leerraumregel?
Pakete dürfen maximal 50 Prozent Leerraum enthalten. Standardkartons und viel Füllmaterial werden so zum Problem.
Was wird beim EU Auslandsversand komplizierter?
Händler müssen sich in jedem Zielland registrieren und dort einen Bevollmächtigten benennen. Das erhöht Aufwand und Kosten spürbar.
Welche neuen Kennzeichnungspflichten kommen?
Einheitliche EU Symbole, Materialkennzeichnungen und digitale Infos wie QR Code werden Pflicht.
Was ist eine Konformitätserklärung?
Ein Nachweis, dass eine Verpackung alle PPWR Vorgaben erfüllt. Ohne Dokumentation drohen Probleme bei Kontrollen.
Was bedeutet das PFAS Verbot?
Lebensmittelverpackungen müssen ab 2026 weitgehend PFAS frei sein. Das betrifft vor allem Food und Kosmetikshops.
Kommt eine Mehrwegpflicht?
Ja, ab 2030 müssen Online Shops eine Mehrweg Versandoption anbieten.
Wird es für Händler teurer?
Kurzfristig ja. Langfristig können Kosten sinken, aber nur, wenn Verpackung und Prozesse aktiv optimiert werden.
Was sollten Shops jetzt tun?
Verpackungen analysieren, Lieferanten prüfen, Dokumentation aufsetzen und internationale Versandmärkte neu bewerten.
Was heißt EPR?
EPR steht für Extended Producer Responsibility. EPR ist kein einzelnes Gesetz. Es ist ein Regulierungsprinzip, das in vielen Gesetzen verankert wird. In der EU ist EPR ein Grundmechanismus, der in verschiedenen Rechtsakten verpflichtend festgelegt ist, zum Beispiel in der PPWR.
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Quellenverzeichnis
1 IT-Recht Kanzlei: EU-Verpackungsrecht 2026: Die wichtigsten Neuerungen (o. J.), it-recht-kanzlei.de (letzter Zugriff: 10.12.2025)
2 Greenberg Traurig LLP: EU Packaging and Packaging Waste Regulation: New Compliance Requirements for E-Commerce (2025), gtlaw.com (letzter Zugriff: 10.12.2025)
3 Windweiss: Neue EU-Verpackungsverordnung 2026 (PPWR): Was Online Händler jetzt wissen müssen (o. J.), windweiss.de (letzter Zugriff: 10.12.2025)
4 Qapla: E commerce packaging regulations: what is changing from 2026 (o. J.), qapla.io (letzter Zugriff: 10.12.2025)
5 European Commission: Packaging and Packaging Waste Regulation, Policy overview (o. J.), environment.ec.europa.eu (letzter Zugriff: 10.12.2025)
6 BMUV: Neues Verpackungsgesetz soll Abfallvermeidung und Recycling verbessern, Pressemitteilung (o. J.), bundesumweltministerium.de (letzter Zugriff: 10.12.2025)
7 KPMG Law: Neues Verpackungsdurchführungsgesetz verschärft Pflichten für Unternehmen (o. J.), kpmg-law.de (letzter Zugriff: 10.12.2025)
8 BP Consultants: Who is who, The distribution of roles in the PPWR (o. J.), bp-consultants.de (letzter Zugriff: 10.12.2025)
9 IT-Recht Kanzlei: Entfallen die Verpackungspflichten für viele Händler ab 2026 (o. J.), it-recht-kanzlei.de (letzter Zugriff: 10.12.2025)
10 EUR Lex: Verpackungen und Verpackungsabfälle ab 2026, Zusammenfassung der Gesetzgebung (o. J.), eur-lex.europa.eu (letzter Zugriff: 10.12.2025)
Harald Neuner
Artikelautor
Harald Neuner ist Co-Founder von “uptain”, der führenden Software-Lösung für die Rückgewinnung von Warenkorbabbrechern im DACH-Raum. Ein besonderes Anliegen ist es ihm, kleinen und mittleren Online-Shops Technologien zur Verfügung zu stellen, über die bisher vorwiegend die Großen im E-Commerce verfügten. Mit “uptain” ist ihm genau das möglich geworden.
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