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Ostern – das zweite Weihnachten?

12.04.19, Haydar Yüce

Obwohl sich das Osterfest nach dem Mond richtet und sich in unserem Kalender entsprechend jährlich verschiebt, können wir uns hoffentlich alle darauf einigen, dass Ostern niemals auf den Dezember fällt. “Das ist doch klar!” werden einige von Ihnen jetzt behaupten. Als ich im vergangenen Dezember zwischen den Regalen eines Supermarktes schlenderte, erblickte ich zu meiner Überraschung Osterartikel. Vor dem Weihnachtsfest! Einige Gespräche mit Freunden zeigten mir, dass der Ärger bei vielen groß ist. Von Kommerzialisierung und Konsumdruck war die Rede. Der Anblick im Supermarkt und die darauf folgenden Gespräche brachten mich so sehr ins Grübeln, dass ich mich nun gezwungen sehe, meine Gedanken mit Ihnen zu teilen.    

 

Ostern verändert sich

Hand aufs Herz: Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an Ostern denken? Bei den meisten von Ihnen dürften es der Osterhase, Ostereier und Schokolade sein. Der ein oder andere denkt wahrscheinlich noch an die Auferstehung Jesu. Was aber haben Elektronikartikel, Bücher und die Modebranche mit diesem Feiertag zu tun? Richtig: Ursprünglich nichts. Seit etwa 10 Jahren verändern wir mit der Kommerzialisierung das Osterfest, sodass Ostern heute das zweite Weihnachten des Handels genannt wird. Die Bedeutungen der Feiertage scheinen zu verschwinden und einzig und allein der Kommerzialisierung Platz zu machen. Auch das Osterfest ist vor dieser Entwicklung nicht gefeit. Schuld daran sind weniger die entsprechenden Händler, sondern an erster Stelle die Konsumenten mit ihrer Nachfrage. Umso widersprüchlicher wirkt das Ergebnis einer Umfrage über den Oster-Einkauf: Die mit Abstand meisten Befragten geben mit 38% an, genervt zu sein, wenn Osterprodukte bereits mehrere Monate vor Ostern angeboten werden¹.    

 

Kein Grund zur Panik

Trotz aller offensichtlichen und zugegeben rasanten Veränderungen besteht kein Grund zur Panik. Das Osterfest war schon immer Gegenstand von Veränderungen. Hier zwei Beispiele:

 

  • Ursprünglich beschenkten sich die Menschen an Ostern mit Eiern, die schon in vorchristlicher Zeit Leben und Geburt symbolisierten. Nach und nach entwickelte sich die relativ junge Tradition, sich mit Ostereiern und Osterhasen aus Schokolade zu beschenken. Heute profitiert so gut wie jede Branche vom Osterfest. Die Modebranche verkauft eigens für Ostern entwickelte Kollektionen, Buchhändler werben für Bücher im Osterkorb, Elektronikhändler verkaufen Videospiele und Handys.
  • In vorchristlicher Zeit diente das Osterfeuer zur Vertreibung des Winters. Die katholische Kirche übernahm nach einigem Zögern diesen Brauch und fügte ihre eigenen Einflüsse hinzu. Heute ist das Osterfeuer Anlass für besondere Unternehmungen mit Freunden und Familie.

 

Lichtblick für Kritiker

Für diejenigen, die den Entwicklungen immer noch kritisch gegenüberstehen, habe ich zumindest eine gute Nachricht. Der allgemeine Self-Made-Trend macht sich insbesondere an Ostern bemerkbar. 23% der Befragten einer Umfrage würden sich besonders über selbstgemachte Geschenke freuen². Online-Händlern, die nicht auf den Zug der Kommerzialisierung des Osterfestes aufspringen wollen und den Bedeutungsschwund befürchten, bietet sich in diesem Bereich eine Möglichkeit an.

 

Keiner von uns ist gezwungen, bei der Kommerzialisierung des Osterfestes mitzumachen. Insbesondere Konsumenten können hier mit ihrem Kaufverhalten die Richtung vorgeben. Händler hingegen haben weniger Spielraum. Wie sich gezeigt hat, gibt es aber Geschäftsideen, die den ursprünglichen Wert des Festes hervorheben. Ich für meinen Teil werde der Entwicklung weiterhin kritisch gegenüberstehen, wenngleich mich der Gedanke, dass Veränderungen normal sind, beruhigt. In diesem Sinne: Viel Spaß bei der Eiersuche (oder mit dem neuen Handy)!    




¹ Statista, 2019. ² Statista, 2019.

 

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